Football in Alabama – EF Story von Philipp Oestmann

Hoi zämme! Ich verbringe mein Austauschjahr in Daphne, Alabama, ganz weit im Süden und nur ein paar Meilen vom Meer entfernt. Hier in den Südstaaten spielt Football eine sehr wichtige Rolle und ich finde es cool dies gerade hier erleben zu dürfen.

Der Süden von Alabama ist aufgespalten in Auburn- und University of Alabama-Fans und es ist für mich als Europäer echt interessant diese Rivalität überall hier im Alltag zu sehen. So gibt es von Autokennzeichen, über Kochschürzen und Bieröffner bis hin zu Weihnachtsbäumen des jeweiligen Colleges alles Vorstellbare. Dadurch das Football hier so ernst genommen wird, ist es natürlich auch an der High School ein riesen Ding. Ein Grossteil der Schulfinanzen fliesst hier ins Footballteam; so kriegt unsere Mannschaft für jedes Game eine Polizeieskorte und es werden extra teure Charterbusse für den Transport angemietet oder mehrere iPads nur um die Trainings zu filmen. Ein weiterer Grund warum High School Football hier so wichtig ist, ist dass der Süden der USA, gerade Alabama eine der wenigeren reichen Regionen der USA ist. So stellt Football für manche Kids hier die einzige Hoffnung auf ein Stipendium an einer guten Universität und somit der Weg zu einer guten Ausbildung dar.

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Auch ich war Teil des Footballteams meiner Schule und möchte euch nun ein bisschen mehr von meinen Erfahrungen erzählen. Ich muss aber vorwegnehmen, dass wir als Austauschschüler leider nicht die Möglichkeit hatten zu spielen und auch kein Equipment kriegten. Wie schon erwähnt, ist Football an meiner High School das Wichtigste überhaupt und da unser Team dieses Jahr recht schlecht in Form war, lag es für die Coaches nicht drin irgendwelche Neulinge die keine Ahnung von diesem Sport hatten, spielen zu lassen. Wir, ich und ein anderer Austauschschüler, konnten aber trotzdem Teil vom Team sein und so doch das Meiste miterleben und wir dürfen im Mai fürs Springgame dann auch die Ausrüstung anziehen und mit dem Team aufs Feld rennen.

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Jeder Footballspieler muss nicht nur jeden Tag 20 Minuten früher als andere Schüler in die Schule kommen, sondern sich auch bereit erklären am frühen Samstagmorgen nochmals in die Schule zu gehen, um die Games zu besprechen oder weiter zu trainieren. Ein Footballspieler zu sein ist hier also nicht nur „cool“, sondern bedeutet auch einen grossen Willen und Aufwand. Ich musste zum Glück am Samstag nie ins Training gehen, da mich die Besprechungen ja sowieso nicht betrafen. Von Montag bis Mittwoch haben wir zu Beginn der Lektion „Football“ (ja, hier kann man es tatsächlich als Schulfach wählen) in den verschiedenen Teams jeweils Videos von den Trainings angeschaut und besprochen und die Strategien fürs anstehende Spiel erklärt bekommen. Anschliessend hatten wir Krafttraining und bevor wir zur nächsten Klasse gingen bekamen wir Frühstück, meistens ein „biscuit“ was quasi wie ein Burger mit Konfitüre ist. Lustig war auch zu sehen, dass viele Spieler Essiggurkenwasser aus dem Glas tranken, da man hier darauf schwört, dass es gegen Krämpfe helfen soll. An den Nachmittagen von Montag bis Mittwoch hatten wir dann jeweils zwei Stunden Training und das bei Temperaturen von bis zu 40 Grad. Ich wurde nach einer Weile bei den Kickern eingeteilt, da dies die Wohl am einfachsten zu erlernende Position war. Der Kicker Coach, der zugleich der Pastor unseres Footballteams war, war sehr geduldig mit mir und hat sich extra Zeit genommen um mir zu erklären wie ich den Ball am Besten treffen muss etc. Da wir in dieser Saison aber einen sehr guten Kicker hatten, der sogar 65 Yard Goals machte und schon zu Footballmeetings in Australien eingeladen wurde, hatten wir leider nicht die Möglichkeit bei den Games zu kicken.

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Am Donnerstagmorgen hingegen versuchte man aufs Feld trainieren zu gehen um sich noch besser für das jeweilige Spiel vorzubereiten und am Nachmittag hatte das Team meistens frei um sich noch ein bisschen zu erholen, ausser die Coaches waren überhaupt nicht zufrieden mit den Trainings oder teilweise konnte man sich am Donnerstagnachmittag als Footballspieler beim Field House gratis die Haare schneiden lassen.

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Wenn der Freitag jeweils ein Game Day war, wurde dann nicht mehr trainiert; es ging eher darum die Spieler zu schonen. Der Morgen begann mit einer Art Predigt und Gebet für das Spiel am Abend (ich bin nicht etwa an einer religiösen Schule, Religion spielt in den Südstaaten einfach noch eine wichtigere Rolle). Teilweise kamen auch Leute vorbei um Motivationsreden zu halten. Anschliessend gab es wiederum fürs ganze Team ein grosses Frühstück. Wir hatten daraufhin Zeit um anfällige Hausaufgaben zu erledigen oder sich einfach mental fürs Spiel vorzubereiten. Im Anschluss gab es dann jeweils noch eine Pep Rally. Pep Rallies sind meiner Meinung nach das absolut Beste an der High School und ich hatte quasi jedes Mal Gänsehaut weil es echt so ist wie in den Filmen.

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Bei Pep Rallies versammelt sich die ganze Schule in der Turnhalle und die Marching Band spielt Musik, die verschiedenen Tanzgruppen, inklusive Cheerleadern, machen verschiedene Performances und es gibt verschiedene Challenges oder einmal sind sogar verschiedene Mütter in die Schule gekommen und haben eine Choreografie getanzt. Wenn wir als Footballspieler jeweils in die Turnhalle eingelaufen sind haben uns alle zugejubelt und Schüler und Lehrer in der ersten Reihe wollten uns allen High Fives geben. Zum Abschluss jeder Pep Rally ging es dann darum, welches Grade (Stufe) am meisten Lärm machen konnte. Dabei versuchten sich die verschiedenen Jahrgänge auch an Kreativität zu übertrumphen und so hatten z.B. alle gleichfarbige Kleider an oder schmissen Papierflugzeuge durch die Gegend.

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Nach der Pep Rally konnten wir unsere Jerseys den ganzen Tag anbehalten, was ich echt toll fand, da man sich stolz fühlte, seine Schule repräsentieren zu dürfen und man auch von manchen Leuten schon nur wegen dem Jersey angesprochen wurde. Nach der letzten Lektion fand dann das Pre-Game Meal mit den Cheerleadern statt wobei absolute Ruhe herrschen musste und man das Handy gar nicht erst an den Tisch bringen durfte. Danach konnten sich die Spieler umziehen und einfach Musik hören um sich aufs Spiel vorzubereiten. Bevor das Spiel losging, sang man natürlich jedes Mal zuerst die Amerikanische Nationalhymne und die Colorguard und Cheerleader standen quasi Spalier für die Spieler die entweder aus einem aufblasbaren Trojanerhelm (meine Schule ist das Zuhause der Trojans) oder durch ein XXL-Plakat gerannt kamen. Natürlich alles mit Kunstrauch, der Marching Band und jubelnden Zuschauern im Hintergrund und teilweise mit Fackeln jonglierenden Tänzerinnen. Ich fand die Games der Hammer! Der School Spirit den man dort spürt und die ganze Atmosphäre sind einfach krass, viele Schülerinnen schminken sich in den Farben der Schule und viele haben wiederum gleichfarbige Klamotten an, man summt zu den Schulmelodien der Marching Band, die jeder schon auswendig kennt, stolze Mütter halten übergrosse Plakate von den Köpfen ihrer Söhne, welche spielen, in die Luft und Cheerleader feuern das Team und das Publikum an. In der Halbzeit gibt es immer eine Show von der Marching Band und den Cheerleadern und nach jedem Spiel – egal ob gewonnen oder verloren – versammelt sich das Team und singt zusammen mit dem Publikum die Schulhymne.

Aues Guete und GO GRIZZLIES!!!

Philipp

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Weitere Infos zum High School Programm von unserem Sponsor EF, findest du hier.

Weitere Erfahrungsberichte findest du unter diesem Link.

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